Interview zur veganen Schulverpflegung und zur Elterninitiative „Mehr Pflanzenkraft fĂŒr Schulen!“

Ann-Marie Orf und Sarah Kalyanii Bihari aus Berlin haben die Initiative „Mehr Pflanzenkraft fĂŒr Schulen!“ ins Leben gerufen. Wir wollten wissen, was es damit auf sich hat und welche Tipps sie fĂŒr Eltern veganer Schulkinder haben.

Viele Eltern stoßen auf Widerstand, wenn sie beim Schul-Caterer nach veganem Essen fĂŒr ihre Kinder fragen. Was sind hier typische Probleme und welche Erfahrungen habt ihr selbst gesammelt?

Kaly: Manchmal wird die Lieferung rundheraus verweigert, ohne große ErklĂ€rungen. Es gibt aber zum Beispiel auch Caterer, die Eltern raten, sich ein Attest zu holen und so nachzuweisen, dass aus gesundheitlichen GrĂŒnden vegan gegessen werden muss – obwohl sie wissen, dass keine gesundheitlichen GrĂŒnde vorliegen. Darauf sollte man sich meiner Meinung nach nicht einlassen, denn zum einen wollen wir ja, dass klar ist, dass es hier um ethische und ökologische Aspekte geht, und zum anderen sprechen wir hier ĂŒber ein Falschattest. Das ist keine Kleinigkeit und es dĂŒrfte ohnehin schwer sein, Ärzt:innen zu finden, die bei so was mitmachen. (
)

‹Ann-Marie: Und natĂŒrlich ist es nicht sehr hilfreich, wenn veganem Essen mit dem Hinweis darauf eine Absage erteilt wird, dass es bei zwei MenĂŒlinien ja jeden Tag mindestens ein vegetarisches Essen gibt. Das kommt auch öfter mal vor. Da fehlt jedes VerstĂ€ndnis dafĂŒr, dass ein vegetarisches Essen fĂŒr ein Kind, das vegan leben möchte, keine Option ist. 

Meine Erfahrung ist, dass man mit guter Kommunikation oft weiterkommt, wenn man hartnĂ€ckig bleibt. Ich hatte das auch schon, dass es eines gewissen Verhandlungsvorlaufs bedurfte, bis veganes Essen fĂŒr meinen Sohn geliefert wurde. Dann lief es allerdings wirklich gut. Mit dem aktuellen Caterer an der Schule meines Sohnes gab es ĂŒberhaupt keine Probleme, da ist veganes Essen ganz einfach als Sonderkost bestellbar. Das ist zwar noch weit weg vom Idealzustand, im Moment aber das Best-Case-Szenario. (…)

Was ratet ihr Eltern, deren Kindern veganes Essen vom Schul-Caterer verweigert wird?

Kaly: Ich glaube, im Endeffekt muss da jede Familie ihren eigenen Weg finden. Ich finde es falsch, sich auf die Attest-Sache einzulassen, aber ich kenne Eltern, fĂŒr die war das die richtige Lösung. Die hatten einfach keine Nerven, diesen Kampf zu fĂŒhren, und das kann ich sehr gut verstehen. Da gibt es im Moment einfach noch Stolpersteine, die es nicht geben dĂŒrfte. Das ist schon wirklich verrĂŒckt: Es gibt nichts Effektiveres, was wir als Einzelne zum Schutz der Umwelt und des Klimas tun können, als auf eine rein pflanzlicheErnĂ€hrung umzustellen. Das Gemeinwohl profitiert also von jedem einzelnen Menschen, der vegan lebt – und trotzdem wird es Veganer:innen in vielen Settings immer noch so schwer gemacht.

Ann-Marie: (…) Wir leisten als vegane Menschen durch unsere Lebensweise einen ganz entscheidenden Beitrag zur Gesellschaft und gerade auch als vegane Eltern sind wir Vorbilder, und das nicht nur fĂŒr unsere Kinder. Mit diesem Selbstbewusstsein und diesem GefĂŒhl fĂŒr Selbstwirksamkeit sollten wir in schwierige GesprĂ€che gehen, finde ich. Mir hilft da auch der Gedanke sehr, dass es mit jedem Stolperstein, der aus dem Weg gerĂ€umt wird, leichter fĂŒr alle wird, die nachkommen. Und je leichter es wird, vegan zu leben, auch mit und als Familie, desto mehr Menschen werden das auch tun. Denn dass es viele gute GrĂŒnde dafĂŒr gibt, ist inzwischen wohl den meisten klar.

Kaly: Wichtig ist auf jeden Fall, zu wissen, dass es einen Anspruch auf Selbstversorgung gibt, der durch die Freiheitsrechte geschĂŒtzt ist. Verweigert der Caterer veganes Essen, dĂŒrfen die Eltern ihrem Kind also jeden Tag Essen mit in die Schule geben. Das bedeutet fĂŒr die Eltern aber natĂŒrlich in jedem Fall einen zeitlichen Mehraufwand. Wenn das Schulessen nicht in Anspruch genommen wird, ist es außerdem wichtig, sich von den Kosten dafĂŒr befreien zu lassen – nicht nur, um selbst finanzielle Einbußen zu vermeiden, sondern auch, um eine Verpflegung mit Tierprodukten in der Schule nicht mitzufinanzieren. Die Befreiung kann ganz problemlos vonstattengehen, es kann aber auch rechtlicher Beistand notwendig werden, wenn sich die Verantwortlichen querstellen. (…)

Ann-Marie: FĂŒr viele ist die Selbstversorgung momentan die beste Lösung, hier muss sich aber grundsĂ€tzlich was Ă€ndern. Es muss ganz normal und einfach werden, in der Schule wirklich klima- und tierfreundlich zu essen, wofĂŒr sich ja auch Aktion Pflanzen-Power ganz toll einsetzt. Wenn wir das erreichen wollen, mĂŒssen wir aber insgesamt mehr Druck aufbauen. Da ist individueller Aktivismus total wichtig. Es zĂ€hlt also jede:r Einzelne, der:die sich intensiv mit dem Caterer auseinandersetzt, die Schulleitung involviert, andere Eltern und LehrkrĂ€fte mobilisiert, das Thema beim Elternabend auf die Agenda setzt, versucht, die Presse fĂŒr das Thema zu interessieren, die lokalen Verantwortlichen anschreibt usw. usw. Und natĂŒrlich ist auch der Klageweg eine Option, wenn man persönlich betroffen ist, denn stellvertretend kann nicht geklagt werden. (…)

Ihr habt die Initiative „Mehr Pflanzenkraft fĂŒr Schulen!“ gegrĂŒndet. Was hat es damit auf sich?

Kaly: Mit der Initiative wollen wir einerseits erreichen, dass es ganz einfach wird, in der Schule durchgĂ€ngig vegan zu essen, aber auch, dass ganz allgemein in der Schulverpflegung noch stĂ€rker auf Pflanzliches gesetzt wird. Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung e.V. (DGE) hat durch ihren QualitĂ€tsstandard fĂŒr die Verpflegung in Schulen einen maßgeblichen Einfluss darauf, was in den Schulen auf den Tisch kommt, daher steht sie im Fokus unserer Initiative. (…)

Könnt ihr kurz erlÀutern, wie ihr die Situation rund um die DGE und ihren Einfluss auf die Schulverpflegung aktuell seht?

Kaly: TatsĂ€chlich ist die Ausgangslage hier in Deutschland im internationalen Vergleich ganz gut. Es wird ja gern auf die DGE geschimpft, da hat sich in den letzten Jahren aber wirklich viel getan. (…)

Ann-Marie: Ganz allgemein stĂŒnden wir in Deutschland nicht schlecht da, wenn die DGE-Standards fĂŒr die Gemeinschaftsverpflegung flĂ€chendeckend umgesetzt wĂŒrden, das ist aber leider nicht der Fall. Der Schulstandard ist derzeit nur in wenigen BundeslĂ€ndern verbindlich, unter anderem in Berlin. (
) Dass hier auf lokaler Ebene angesetzt werden muss, ist eine wichtige Erkenntnis fĂŒr alle, die im Bereich Schulverpflegung etwas bewegen wollen, denke ich. Mit lokal ist hier ĂŒbrigens auch nicht zwangslĂ€ufig die LĂ€nderebene gemeint – hier können auch einzelne StĂ€dte vorpreschen. In TĂŒbingen beispielsweise gibt es seit dem Schuljahr 2021/2022 nur noch 1 x die Woche Fleisch oder Fisch, das hat die Stadt so entschieden.

Ist zu erwarten, dass es vegane Kinder in der Schule in Zukunft einfacher haben?

Ann-Marie: Eine durchgĂ€ngige vegane Verpflegung wird wohl nicht den Status erhalten, den wir uns wĂŒnschen, solange die DGE eine vegane KinderernĂ€hrung nicht empfiehlt. Dabei muss man sich allerdings klarmachen, dass sie nicht ausdrĂŒcklich davon abrĂ€t, sondern sich einfach zurĂŒckhaltend Ă€ußert, weil sie der Ansicht ist, dass die Datenlage immer noch unzureichend ist und deshalb aktuell keine „zufriedenstellende EinschĂ€tzung“ vorgenommen werden kann. Auf diesen Einwand, das DGE-Positionspapier „Vegane ErnĂ€hrung“ von 2016 und die ErgĂ€nzung dazu aus dem Jahr 2020 gehen wir in unseren Schreiben an die DGE auch ein.

Das Interview in voller LĂ€nge (in dem es auch um die spezifische Situation in Berlin geht) sowie alle anderen Infos zu dieser Initiative und die zugehörige Korrespondenz findet ihr unter diesem Link: ‹https://www.meatthetruthforyourkids.com/pflanzliche-re-schulverpflegung-initiative/

Weitere Informationen zur veganen Schulverpflegung: https://ecodemy.de/magazin/vegane-schulverpflegung/

Bildquelle: Ann-Marie Orf und Sarah Kalyanii Bihari

Interview ĂŒber die Schulverpflegung von morgen

Prof. Dr. Volker Peinelt leitete 14 Jahre lang das Referat Gemeinschaftsgastronomie der Deutschen Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung (DGE). Anschließend war er ĂŒber 20 Jahre an der Hochschule Niederrhein aktiv und entwickelte unter anderem ein Konzept fĂŒr eine hochwertige Schulverpflegung. Er war einer der beiden wissenschaftlichen Leiter des 2015 veröffentlichten „Handbuchs der Gemeinschaftsgastronomie“, das mit ĂŒber 60 Autorinnen und Autoren alle wichtigen Bereiche abdeckt. Im Interview spricht er ĂŒber seinen Ansatz, die Schulverpflegung in Deutschland zu optimieren.

Herr Prof. Dr. Peinelt, warum braucht es ErnĂ€hrungsunterricht und LehrkĂŒchen in Schulen?

Es geht hierbei um die Vermittlung von ErnĂ€hrungswissen und Geschmackserfahrungen sowie praktischen Fertigkeiten bei der Zubereitung von Gerichten. Die SchĂŒlerinnen und SchĂŒler sollten lernen, gesunde und schmackhafte MenĂŒs zusammenzustellen und dies in einer LehrkĂŒche auch ausprobieren dĂŒrfen. Nur wenn Kinder ĂŒber Jahre zu ErnĂ€hrungsthemen geschult werden, können bessere ErnĂ€hrungsgewohnheiten dauer­haft geprĂ€gt werden.

Wir werden oft gefragt, ob es nicht am besten sei, direkt in der Schule frisch zu kochen anstatt sich das Essen liefern zu lassen.

Unter optimalen Voraussetzungen ist die Frischkost das beste Produktionssystem. In Japan funktioniert das einwandfrei, nicht aber in Deutschland. Wir haben nicht genĂŒgend KĂŒchenfachkrĂ€fte: Die Zahl der Auszubildenden geht kontinuierlich zurĂŒck und die Abbruchquote ist sehr hoch (circa 60 %)[1]. Außerdem ist der Investitions- und Raumbedarf bei dieser Kostform am höchsten – sowie ĂŒbrigens auch die Hygiene-Anforderungen. Hinzu kommt, dass Schulen keine Essenspflicht haben und vor allem in den weiterfĂŒhrenden Schulen oft weniger als 10 % der Kinder am Essen teilnehmen. Somit wĂŒrden sich die Kosten fĂŒr ein Frischkost-Essen auf bis zu 10 € belaufen [2]. Welche Eltern können sich das leisten? Der Staat mĂŒsste dieses System massiv subventionieren und viele Voraussetzungen erst einmal schaffen, ist dazu aber nicht bereit. Daher wĂ€re ein temperaturentkoppeltes System an Schulen zu bevorzugen: „Cook & Chill“ oder „Cook & Freeze“ sind solche Verfahren, bei denen das Essen zentral zubereitet und an der Schule nur noch erwĂ€rmt werden muss. Die QualitĂ€t dieser Gerichte ist mit der von Frischkost vergleichbar.

Wie kann das Verpflegungssystem an Schulen optimiert werden?

Wir mĂŒssen wegkommen von schulspezifischen und unprofessionellen Lösungen. Stattdessen mĂŒsste die Schulverpflegung in grĂ¶ĂŸerem Maßstab organisiert werden, mindestens auf kommunaler Ebene. Der Aufwand ist viel zu hoch, wenn jede Schule das Rad neu erfindet. Aber leider wird es in Deutschland genau so gehandhabt, obwohl es qualifizierte Caterer mit dem System der Temperaturentkopplung gibt, die viele Schulen beliefern könnten. Das wĂ€re rationeller, kostengĂŒnstiger und qualitativ hochwertig.

Was sollte aus Ihrer Sicht an der Schulverpflegung am dringendsten geÀndert werden?

Wegen gravierender Schwachstellen in der Schulverpflegung kann nur eine Zertifizierungspflicht auf Basis einer umfassenden PrĂŒfung Abhilfe schaffen, die alle wesentlichen Aspekte abdeckt. Die QualitĂ€tsstandards der DGE können da als Einstieg dienen[3]. Der PrĂŒfkatalog muss aber wesentlich umfangreicher sein. Eine solche Zertifizierung mit jĂ€hrlichen FolgeprĂŒfungen könnte ein dauerhaft hohes Niveau der Schulverpflegung sicherstellen. Die Hochschule Niederrhein hat ein solches Konzept entwickelt, das inzwischen vom TÜV Rheinland angewendet wird. Es könnte in kurzer Zeit in ganz Deutschland eingefĂŒhrt werden, wobei pro Essen nur lediglich 1 Cent (!) Mehrkosten anfielen[4]. Da eine Zertifizierungspflicht aber fehlt, kann jede Schule ihr eigenes Konzept umsetzen. Fehlende Kontrollen haben zur Folge, dass Hygienekonzepte nur in etwa der HĂ€lfte der Schulen vorhanden sind – von anderen Schwachstellen ganz zu schweigen. Dies mĂŒsste eigentlich zur Schließung zahlreicher Schulmensen fĂŒhren.

Welche gravierenden Probleme sehen Sie noch?

Die genannten Schwachstellen hĂ€ngen mit dem Professionalisierungsgrad zusammen, der in der Schulverpflegung einer der schlechtesten in der gesamten Branche ist. Das starke Nachwuchsproblem kann nur durch personalsparende Systeme wie der Temperaturentkopplung gelöst werden. Die massenhafte Umsetzung scheitert unter anderem auch an der geringen Zahlungsbereitschaft. Deshalb gibt es hierzulande so viele Warmverpflegungsangebote, also Essen, das in ZentralkĂŒchen gekocht, warm angeliefert und dann noch in den Schulen warm gehalten wird – insgesamt bis zu 6 Stunden. Außerdem glauben viele Eltern, die Schulverpflegung selbst managen zu können und unterschĂ€tzen dabei die KomplexitĂ€t und die ErfĂŒllung rechtlicher Anforderungen. Ein großes Problem ist natĂŒrlich auch, dass sich der Staat nicht wirklich um das Thema kĂŒmmert. Zwar gibt es Vernetzungsstellen in den BundeslĂ€ndern, doch können sie nur wenig bewirken. Dabei ließe sich eine hohe QualitĂ€t leicht finanzieren: Wenn fĂŒr jedes Essen 5 € vom Staat gezahlt wĂŒrde (Vollkosten), entstĂŒnden bei 3,2 Millionen SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern[5] und einer Essensteilnahme von durchschnittlich 30 % bei angenommenen 220 Schultagen Gesamtkosten von circa einer Milliarde € pro Jahr. Das wĂ€ren nur 8,8 % der Subventionierung klimaschĂ€dlicher Dienstwagen in Deutschland[6]. Dies zeigt die PrioritĂ€ten deutscher Politik.

Sie sagen, dass QualitĂ€tsanforderungen nicht nur fĂŒr das Mittagessen, sondern auch fĂŒr die Pausenverpflegung beziehungsweise den Kioskverkauf aufgestellt und kontrolliert werden sollten. Wie können Schulen das umsetzen?

Eine Umsetzung ist am besten möglich, wenn ein qualifizierter Dienstleister verpflichtet wird, auch dieses Segment zu bedienen. Was Schulen dabei beachten mĂŒssen, steht zum Beispiel im DGE-QualitĂ€tsstandard. Eine Kontrolle des Dienstleisters könnte am besten im Rahmen der Zertifizierung erfolgen. Auf keinen Fall sollte ungeschultes Personal den Verkauf ĂŒbernehmen. Die AngebotsqualitĂ€t ist dann erfahrungsgemĂ€ĂŸ schlecht.

Geht es bei der Zertifizierung auch um Nachhaltigkeit?

Die vom TÜV Rheinland durchgefĂŒhrte Zertifizierung legt auch großen Wert auf die Nachhaltigkeit[7]. Eine Schule kann im Erfolgsfall sogar ein eigenes Nachhaltigkeits-Zertifikat erhalten. Erforderlich sind dafĂŒr gute Ergebnisse in allen Bereichen der Nachhaltigkeit: Gesundheit, Ökologie, Wirtschaft und Soziales. Die Kriterien hierfĂŒr beziehen sich zum Beispiel auf das Speisenangebot, die Herkunft der Lebensmittel (Öko-Landbau), Maßnahmen zur Reduzierung des Speiseabfalls oder Schulungen in Sachen Nachhaltigkeit.

Vielen Dank fĂŒr das Interview, Prof. Dr. Peinelt.


„Aktion Pflanzen-Power“ erfreute sich auch 2019 großer Beliebtheit

2019 war „Aktion Pflanzen-Power“ an 34 Schulen in ganz Deutschland prĂ€sent. Unsere Aktionsköchinnen und -köche konnten ĂŒber 800 SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern in Kochworkshops die pflanzliche ErnĂ€hrung nahebringen.

Seit Ende 2016 vermittelt ProVeg mit „Aktion Pflanzen-Power“, wie eine gesunde pflanzliche ErnĂ€hrung aussehen kann und motivierte damit Hunderte Teilnehmende. In VortrĂ€gen und interaktiven Kochworkshops zeigten die Aktionsköchinnen und -köche 2019 an 34 Schulen, wie einfach und vor allem lecker die pflanzliche KĂŒche ist. Damit wurde seit Bestehen der Kampagne in diesem Jahr die höchste Anzahl an Aktionstagen durchgefĂŒhrt. Wir waren 2019 unter anderem an der Sportschule Friedrich Ludwig Jahn in Potsdam und an der  Anna-Seghers-Oberschule in Berlin â€“ darĂŒber berichtete sogar der Kinderkanal KiKA.

Aktionsköchin Lea Grosse freut sich ĂŒber die spannenden Erfahrungen und die Begeisterung in den Klassen: „Es ist immer wieder schön, zu sehen, dass die SchĂŒlerinnen und SchĂŒler durch unsere VortrĂ€ge zum Nachdenken angeregt werden und viel Spaß bei der Zubereitung des Essens haben. Auch neue Rezepte, die ich mit den Kindern ausprobiere, wie veganes RĂŒhrei aus Tofu, kommen super an – ein schöner Erfolg am Ende eines Aktionstages.“ Einen Eindruck davon, mit wie viel Neugier die Kinder an den Workshops teilnehmen, vermittelt das Video zum ersten Aktionstag 2016.

Neben den Aktionstagen an Schulen fĂŒr SchĂŒlerinnen und SchĂŒler bietet „Aktion Pflanzen-Power“ auch Weiterbildungen fĂŒr PĂ€dagoginnen und PĂ€dagogen an. So besteht beispielsweise die Möglichkeit, das Thema ErnĂ€hrung im Kontext von Klimaschutz, Gesundheitsförderung und/oder Nachhaltigkeit in den Schulalltag zu integrieren. Interessierte können sich hier anmelden. Die Fortbildungen sind kostenlos.
Die Vermittlung von Schulungsköchinnen und -köchen ist ein weiteres Angebot zur Weiterbildung fĂŒr KĂŒchenpersonal und Cateringunternehmen. Nehmen Sie gern unter pflanzenpower@proveg.com Kontakt mit uns auf. 

Das große Interesse an der mit dem Klimapreis „Momentum for Change“ der Vereinten Nationen ausgezeichneten Kampagne zeigt, wie wichtig das Thema nachhaltige, gesunde ErnĂ€hrung fĂŒr Schulen ist. ProVeg und die BKK ProVita freuen sich deshalb, das gemeinsame Projekt weitere 3 Jahre, also bis Ende 2022, umzusetzen.

Sie haben Interesse an einem Aktionstag an Ihrer Schule? Hier geht es direkt zum Anmeldeformular.

FĂŒr mehr Informationen melden Sie sich gern bei uns unter pflanzenpower@proveg.com.

„Aktion Pflanzen-Power“ an der Sportschule Potsdam

Im April 2019 fand ein Aktionstag der „Aktion Pflanzen-Power“ an der Sportschule Potsdam statt. Der sportliche Hintergrund dieser Schule spricht besonders fĂŒr intensive ErnĂ€hrungsbildung.

Sport und pflanzliche ErnÀhrung passen gut zusammen

Das Interesse der Sportschule „Friedrich Ludwig Jahn“ Potsdam an „Aktion Pflanzen-Power“ freut ProVeg und die Krankenkasse BKK ProVita sehr, denn Sportlerinnen und Sportler gehen hĂ€ufig davon aus, dass Eier, Milch und Fleisch fĂŒr leistungsstarke Muskeln unerlĂ€sslich seien. Dies macht es umso interessanter, Aktionstage an Sportschulen auszurichten.

Mittlerweile gibt es immer mehr Hochleistungssportlerinnen und -sportler, die zu einer rein pflanzlichen ErnĂ€hrungsweise wechseln. Oft verbessert sich die sportliche Leistung dieser Personen mit der ErnĂ€hrungsumstellung. Der vegan lebende Patrik Baboumian erhielt 2011 sogar den Titel „StĂ€rkster Mann Deutschlands“.

Die SchĂŒlerinnen und SchĂŒler der Sportschule Potsdam zeigten wĂ€hrend des Aktionstags großes Interesse an den Vorteilen der veganen ErnĂ€hrung im Rahmen des Profisports. Hier konnte „Aktion Pflanzen-Power“ mit einigen Vorurteilen aufrĂ€umen. Der Eiweißbedarf beispielsweise kann leicht durch ausreichende Kalorienzufuhr und Kombination unterschiedlicher Pflanzen gedeckt werden. Vor allem HĂŒlsenfrĂŒchte wie Linsen oder Bohnen sind hochwertige Eiweißlieferanten.

Pflanzenkraft tanken

Um die Sporteinheiten der SchĂŒlerinnen und SchĂŒler zu berĂŒcksichtigen, wurde der typische Ablauf des Aktionstags entsprechend angepasst. So begann der Tag im Klassenzimmer einer 9. Klasse, in der die Köchin von „Aktion Pflanzen-Power“ einen kurzen Vortrag hielt und einen Ausschnitt eines Dokumentationsfilms zeigte. Anschließend fĂŒllten die Jugendlichen einen Mahlzeitenplan fĂŒr eine Woche aus, der so pflanzlich gestaltet sein sollte, wie es ihnen fĂŒr angemessen erschien. Sie nannten viele pflanzliche Gerichte, zum Beispiel Spaghetti mit Linsenbolognese oder Falafel.

Beim Informationsstand in der Mensa wurde eine Verkostung angeboten. Die SchĂŒlerinnen und SchĂŒler probierten veganen KĂ€se der Marke Wilmersburger, eine Leberwurst-Alternative von Gut Wudelstein sowie Schokolade und Waffelröllchen von Clarana.

Zum Abschluss bereiteten die SchĂŒlerinnen und SchĂŒler leckere Gerichte zu: TaboulĂ©, ChicorĂ©e-Hummus-Schiffchen und zum Nachtisch eine Schoko-Bananen-Mousse.

ProVeg und die BKK ProVita bedanken sich bei der Sportschule Potsdam und den Sponsoren fĂŒr ihre großartige UnterstĂŒtzung!

KiKA berichtet ĂŒber einen Aktionstag

Zum Jahresstart war KiKA, der Kinderkanal von ARD und ZDF, zu Gast bei einer unserer Schulaktionen. Der Sender drehte einen Bericht ĂŒber „Aktion Pflanzen-Power“. Moderator Ben assistierte den Kindern beim Kochen.

Der Aktionstag von „Aktion Pflanzen-Power“ fand im Januar 2019 an der Anna-Seghers-Oberschule in Berlin statt. KiKA-Moderator Ben begrĂŒĂŸte die SchĂŒlerinnen und SchĂŒler und stellte neugierige Fragen. Unsere Aktionsköchinnen Alexa und Lea waren vor Ort, um mit den Kindern pflanzlich zu kochen. Gemeinsam kreierten sie eine Bolognese aus RĂ€uchertofu mit GemĂŒse zu – dazu gab es Mandelparmesan. Zum Nachtisch wurden Schoko-Bananen-Muffins gebacken. Die SchĂŒlerinnen und SchĂŒler wĂŒnschten sich, öfter vegane Gerichte in der Schulkantine wĂ€hlen zu können.

Der 10-minĂŒtige Filmbeitrag auf dem Kinderkanal kann hier angeschaut werden: www.kika.de.

Veggie-Schule in Freiburg: Hier kochen die Kinder mit

Die Kapriole in Freiburg im Breisgau ist eine von etwa 100 freien Alternativschulen in Deutschland. FĂŒr die rund 150 SchĂŒlerinnen und SchĂŒler stehen ausschließlich vegan-vegetarische Gerichte auf dem Speiseplan. Im Interview erzĂ€hlen die Köchin Maike Weis und die Lehrerin Sabine Herzmann, warum sich die Schule fĂŒr die Veggie-KĂŒche entschieden hat und wie diese bei den Kindern ankommt.

Wie fĂŒgt sich das vegan-vegetarische KĂŒchenkonzept in das Gesamtkonzept der Kapriole ein?
Sabine Herzmann: Die Kinder an der Kapriole haben die Freiheit zu lernen, wann, wo, was, wie und mit wem sie wollen. Als freie demokratische Schule gehen wir außerdem respektvoll und verantwortlich miteinander, mit unserer Umgebung und mit der Welt um. Die Frage, wie wir uns ernĂ€hren, ist ungemein vielschichtig. Sie reicht von unserer persönlichen Gesundheit ĂŒber globale Gerechtigkeit bis hin zum Klimawandel. Eine vegan-vegetarische SchulkĂŒche ist eine naheliegende Umsetzung dieser Werte und hat sich deshalb ganz natĂŒrlich in die Entwicklung der Schulgestaltung eingefĂŒgt.

Wie werden die SchĂŒlerinnen und SchĂŒler in die MenĂŒauswahl und die Essenszubereitung einbezogen?
Maike Weis: Die SchĂŒlerinnen und SchĂŒler können jederzeit Lob und Kritik an der MenĂŒgestaltung Ă€ußern. Spezielle EssenswĂŒnsche werden nach Möglichkeit in die Tat umgesetzt. Die KĂŒche steht kleinen und großen Helferinnen und Helfern fast immer offen. ZusĂ€tzlich gibt es Projekttage zum Thema Kochen, beispielsweise um den Aspekten „gesund“ und „saisonal“ nachzugehen.

Sabine Herzmann: Auf Schulfahrten versorgen wir uns selbst. Hier werden Kochgruppen gebildet, die individuell entscheiden, was sie zubereiten möchten. Außerdem gibt es einen Backclub und regelmĂ€ĂŸige Backangebote. Die selbst gemachten Leckereien werden dann in der Schule verkauft, um die Zutaten zu finanzieren. Auch an dieser Stelle können die Kinder WĂŒnsche Ă€ußern, gemeinsam Rezepte aussuchen und diese nach Belieben mit alternativen Zutaten gestalten.

Wie sieht das Angebot an pflanzlichen Gerichten aus?
Maike Weis: Das Essen ist immer vegetarisch, zusĂ€tzlich gibt es eine vegane Option. Außerdem stehen eine glutenfreie Alternative sowie Vollkornprodukte zur Wahl. Wichtig ist vor allem, dass die Mahlzeiten ausgewogen sind. Bunte Salate mit Sprossen, Rohkost und gerösteten NĂŒssen machen Appetit und Lust auf Gesundes. Mit einer abwechslungsreichen Auswahl an Soßen, Pestos und Dips bieten wir fĂŒr etwas fĂŒr jeden Geschmack. Unsere Zutaten stammen zu 100 % aus biologischem Anbau. Das meiste Obst und GemĂŒse beziehen wir sogar direkt aus der Region.

Wie wird das Thema fleischfreie ErnÀhrung in den Unterricht integriert?
Sabine Herzmann: In der Auseinandersetzung mit ihren eigenen Lebens- und ErnĂ€hrungsgewohnheiten kommen SchĂŒlerinnen und SchĂŒler immer wieder auf das Thema. So bringen sie es entweder selbst in die Schulgemeinschaft ein oder stoßen im Rahmen verschiedener Themenschwerpunkte darauf. BeschĂ€ftigen wir uns beispielsweise mit Landwirtschaft oder Klimawandel, kommt die vegetarisch-vegane Lebensweise zur Sprache. Auch im Fach „Gesundheit und Soziales“ sowie beim gemeinsamen Backen im Backclub stellen wir den Bezug her.

Welche Herausforderungen und welche Chancen sehen Sie fĂŒr die vorwiegend pflanzliche Schulverpflegung?
Maike Weis: Ohne Fleisch zu kochen ist gar kein Problem. Milchalternativen sind manchmal etwas ungewohnt fĂŒr den Geschmackssinn der Kinder, aber mit ein paar kleinen Tricks lassen sich auch diese problemlos in den MenĂŒplan einbauen. Besonders einfach ist veganes Backen: Kuchen und Co. schmecken allen gut.
Vegetarisch zu essen ist mittlerweile ja schon etwas gesellschaftlich Normales geworden. Daher hoffe ich, dass in Zukunft eine fleischfreie Schulverpflegung Alltag wird und die Kinder schon in der Schule lernen und erfahren, wie einfach es ist, sich gesund und nachhaltig zu ernÀhren.

Nachhaltigkeit hört beim Essen nicht auf: Die Kapriole möchte in diesem Jahr die Schule um ein weiteres GebĂ€ude in ökologischer Holzbauweise ergĂ€nzen und freut sich ĂŒber UnterstĂŒtzung.

Vielen Dank fĂŒr das Interview, Frau Weis und Frau Herzmann.

ProVeg brachte erneut Akteurinnen und Akteure der Schulverpflegung zusammen

ProVeg lud mit seiner Veranstaltung „Neue AnsĂ€tze fĂŒr die Schulverpflegung“ im Dezember 2018 verschiedene Beteiligte und Interessierte aus dem Bereich der Gemeinschaftsverpflegung ein, um ĂŒber Herausforderungen und Potenziale einer pflanzlichen KĂŒche in deutschen Schulen zu diskutieren.

Schulverpflegung in Deutschland – ein komplexes Thema, an dem viele Beteiligte mitwirken. Von Eltern ĂŒber Politik bis hin zu Cateringunternehmen: Alle versuchen, etwas dazu beizutragen, das tĂ€gliche Mittagessen der SchĂŒlerinnen und SchĂŒler gesund und ansprechend zu gestalten. Um den Austausch zwischen den Beteiligten zu ermöglichen und neue Impulse fĂŒr den Ausbau der pflanzlichen KĂŒche zu geben, lud ProVeg im Rahmen des neuen Schulprogramms „Leckeres Essen fĂŒr alle“, zu dem auch die Aktion Pflanzen-Power gehört, zu einer Informationsveranstaltung.

Theorie und Praxis

Am Morgen zeigte Schulungskoch Stephan Giannangeli den Teilnehmerinnen und Teilnehmern in einem praktischen Kochworkshop die Möglichkeiten einer klimafreundlichen KĂŒche auf. Am Nachmittag lud ProVeg in die RĂ€umlichkeiten des kĂŒrzlich eröffneten ProVeg-Incubators, um mit VortrĂ€gen und Diskussionsrunden auf die vielfĂ€ltigen Möglichkeiten pflanzlicher Schulverpflegung einzugehen. Das Publikum war bunt gemischt: Vertreterinnen und Vertreter von kleinen und großen Cateringunternehmen, der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, der Deutschen Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung (DGE) und andere brachten verschiedene Perspektiven in die Thematik ein und ermöglichten damit einen regen Austausch.

Immer noch „Hin & Veg“ – Sodexo will noch mehr Pflanzliches

Nach einer kurzen EinfĂŒhrung von Katleen Haefele, Leiterin von ProVeg Food Services, zu Potenzialen und Vorteilen einer pflanzlichen KĂŒche in der Gemeinschaftsverpflegung, ĂŒbernahm Heiko Höfer von Sodexo das Wort. Sodexo, eines der grĂ¶ĂŸten Cateringunternehmen weltweit, hatte im Mai 2018 mit seiner Aktionswoche „Hin & Veg“ ein pflanzliches MenĂŒ-Angebot an Schulen in ganz Deutschland getestet. Diese Kooperation war durch unsere vorherige Informationsveranstaltung ins Rollen gekommen. Laut Höfer waren die Gerichte der Aktionswoche auf großes Interesse gestoßen und die RĂŒckmeldungen der SchĂŒlerinnen und SchĂŒler Ă€ußerst positiv ausgefallen. „Dieser Erfolg hat meine Neugier geweckt, weshalb ich zuletzt meinen eigenen Fleischkonsum stark reduziert habe. Und ich bin begeistert – die Umstellung wirkt sich unheimlich positiv auf meine Gesundheit aus und gibt mir ein ganz neues KörpergefĂŒhl”, so Höfer. Des Weiteren betonte er in seinem Vortrag auch den Tierwohl-Aspekt.
Sodexo hat erkannt, dass viele GrĂŒnde dafĂŒr sprechen, den Fokus verstĂ€rkt auf die pflanzliche KĂŒche zu legen. Neue Veggie-Optionen und vor allem eine noch engere Zusammenarbeit mit ProVeg sind deshalb geplant.

Vegetarische QualitÀtsstandards der DGE

Auch die DGE war auf der Veranstaltung vertreten: Dr. Ernestine Tecklenburg ist Leiterin des Referats Gemeinschaftsverpflegung und QualitĂ€tssicherung und stellte die von ihr mitentwickelten Kriterien fĂŒr eine ovo-lacto-vegetarische MenĂŒlinie vor. Frau Tecklenburg gab Tipps, wie sich die Kriterien umsetzen lassen und betonte, dass es in der Schulverpflegung möglich ist, alle zu erreichen und durch das gemeinsame Mittagessen ein GemeinschaftsgefĂŒhl zu schaffen. Außerdem sprach sie sich dafĂŒr aus, Veggie-Gerichte ganz oben auf dem Speiseplan zu platzieren, damit sie nicht als zweitklassige Alternative wahrgenommen werden.

Voneinander lernen

Nach den informativen VortrĂ€gen wurden alle Teilnehmenden in einem interaktiven Workshop ermutigt, ihre Erfahrungen und Meinungen auszutauschen. In kleinen Gruppen debattierten sie ĂŒber die Potenziale einer verstĂ€rkt pflanzlichen Schulverpflegung und wie diese mit neuen AnsĂ€tzen und geschickten Kommunikationsstrategien umgesetzt werden kann. So waren beispielsweise viele GĂ€ste inspiriert von Stefan Gerhardts Konzept: In seinen FrischkĂŒchen kochen er und sein Team nicht nur gesund und vollwertig, sie vermitteln den Kindern in Koch-AGs einen Bezug zu ihrem Essen und klĂ€ren an Informationstafeln ĂŒber die ökologischen und ethischen Vorteile pflanzlicher ErnĂ€hrung auf.

Auch wenn der Weg zu einem flĂ€chendeckenden Angebot vollwertiger vegetarisch-veganer Gerichte in deutschen Schulen noch ein langer ist – die meisten Teilnehmenden verließen die Informationsveranstaltung motiviert und mit neuen Impulsen. 2018 war die Aktion Pflanzen-Power an knapp 30 Schulen; auch fĂŒr 2019 sind zahlreiche Aktionstage mit Kindern sowie Kochworkshops fĂŒr Cateringunternehmen geplant. Volle Pflanzenkraft voraus fĂŒr eine gesĂŒndere ErnĂ€hrung an deutschen Schulen!

Veggie im Großformat: Interview mit Mensakoch Stefan Gerhardt

Mehr als 1.000 hungrige BĂ€uche fĂŒllen Stefan Gerhardt und sein Team tĂ€glich. In den beiden FrischkĂŒchen in der Region Braunschweig, die er gemeinsam mit seiner Frau betreibt, kommt viel Gesundes auf den Speiseplan. Nicht nur weil es gut schmeckt, sondern weil er vom Konzept der pflanzlichen KĂŒche ĂŒberzeugt ist.

Auf Ihrem Mensa-Speiseplan steht tĂ€glich auch ein veganes Gericht. Was hat Sie dazu bewogen, eine rein pflanzliche MenĂŒ-Linie anzubieten?
Meine Frau und ich versuchen, so nachhaltig wie möglich zu leben. Wir haben den Verzehr tierischer Produkte sehr stark reduziert. Unsere Tochter lebt seit 2016 vegan, auch das war einer der GrĂŒnde, fleischfreies Essen in das Speisenangebot aufzunehmen. Uns ist es wichtig, ein Zeichen gegen Massentierhaltung und Klimawandel zu setzen – und da ist die pflanzliche KĂŒche wunderbar geeignet.

Wie wirkt sich die EinfĂŒhrung einer rein pflanzlichen MenĂŒ-Linie auf die Arbeitsorganisation in der KĂŒche aus?
Zu Beginn bedarf es einer intensiven Auseinandersetzung mit der Thematik. Ich musste mir beispielsweise ĂŒberlegen, welche Alternativen fĂŒr Milch und Eier infrage kommen. Ist eine vegane MenĂŒ-Linie dann einmal etabliert, ist es leicht. Viele Allergene wie Laktose (Milchzucker) und Ei sind in pflanzlicher Kost nicht enthalten, was die Arbeitsorganisation vereinfacht. Außerdem lassen sich mischköstliche Gerichte oftmals auch recht unkompliziert in eine pflanzliche Variante umwandeln. Kein Grund also, auf beliebte Klassiker zu verzichten.

Wie fĂŒhren Sie SchĂŒlerinnen und SchĂŒler an pflanzliche Gerichte heran und wie sind die Reaktionen?
Die Nachfrage nach dem veganen Angebot schwankt stark und hĂ€ngt vom angebotenen MenĂŒ ab. Generell reagieren die SchĂŒlerinnen und SchĂŒler aber gut auf die Veggie-Gerichte. Gibt es beispielsweise Lahmacun, wĂ€hlen fast die HĂ€lfte der SchĂŒlerinnen und SchĂŒler die pflanzliche Alternative. Die Akzeptanz hat auch viel damit zu tun, wie die Speisen prĂ€sentiert werden. Wenn ich auf dem Pausenbrot KĂ€se und Co. mit einem leckeren pflanzlichen Aufstrich ersetze, ohne es spezifisch als „vegan“ anzupreisen, wird es einfach gegessen. Es geht also auch darum, vegane Vorurteile abzubauen.

Wir stehen hinter dem, was wir tun, und kommunizieren es nach außen. Unter dem Titel „Verpflegung fĂŒr das Klima“ wurde unser Angebot kĂŒrzlich in einer Zeitung dargestellt. Diesen und weitere Artikel zum Thema hĂ€ngen wir an unserer Pinnwand auf. Wir wollen, dass die SchĂŒlerinnen und SchĂŒler darĂŒber informiert werden, welchen Einfluss ihre ErnĂ€hrungsgewohnheiten haben. Denn Massentierhaltung und das damit verbundene Leid finden Kinder ĂŒberhaupt nicht gut.

Was wĂŒrden Sie anderen Caterern empfehlen, die ebenfalls ein pflanzliches Angebot etablieren möchten?
ZunĂ€chst: Selbst gut vegan essen zu gehen. Sich ĂŒberraschen zu lassen, wie vielfĂ€ltig pflanzliches Kochen sein kann und wie gut es schmeckt. Nur wenn ich selbst von veganer KĂŒche ĂŒberzeugt bin, kann ich sie auch langfristig erfolgreich etablieren. Es ist natĂŒrlich erst einmal ungewohnt – neue Zutaten und Zubereitungsmethoden finden ihren Weg in die KĂŒche und das KĂŒchenpersonal muss sich umstellen. Hier gilt es, viel Geduld und VerstĂ€ndnis fĂŒr mögliche Schwierigkeiten mitzubringen. Und genauso muss auch den SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern Zeit gegeben werden, sich an die neue Auswahl zu gewöhnen. Ich bin immer wieder positiv ĂŒberrascht, auf wie viel Offenheit und Neugier Veggie-Gerichte treffen, wenn sie richtig zubereitet und prĂ€sentiert werden. Das Wichtigste ist daher, sich stets bewusst zu machen, warum die pflanzliche KĂŒche so wertvoll ist – und dann den Mut zu fassen, Neues zu wagen.

Vielen Dank fĂŒr das Interview, Herr Gerhardt.

ProVeg Food Services

ProVeg bietet Schulungen und Beratung fĂŒr Catering-Unternehmen an. Wenn Sie Ihre GroßkĂŒche auch mit mehr Pflanzen-Power bereichern wollen, aber nicht wissen, wie Sie damit am besten anfangen, stehen wir Ihnen mit Rat und Tat zur Seite. Und auch wenn Sie sich schon gut in der Veggie-KĂŒche auskennen – in den abwechslungsreichen Modulen finden auch erfahrene Köchinnen und Köche neue Inspiration. Egal ob Sie fĂŒr Studentenwerk, Großkantine oder kleine SchulkĂŒche den Kochlöffel schwingen, kontaktieren Sie uns!

Veggie-Aktionswoche an deutschen Schulen: Interview mit Heiko Höfer von Sodexo

Das Unternehmen Sodexo bietet vielfĂ€ltige Dienstleistungen fĂŒr Unternehmen, Gemeinden und Bildungseinrichtungen an. Dazu zĂ€hlt auch die Schulverpflegung. Anfang Juni 2018 fand in Zusammenarbeit mit Aktion Pflanzen-Power eine bundesweite Aktionswoche mit pflanzlichen MenĂŒ-Angeboten statt. Heiko Höfer ist bei Sodexo als Regionaldirektor Nord fĂŒr den Bereich Schulen und UniversitĂ€ten verantwortlich und verrĂ€t im Interview, was es mit der Veggie-Aktionswoche auf sich hat.

Herr Höfer, Sodexo hat kĂŒrzlich eine Aktionswoche mit vegetarischen und veganen Gerichten durchgefĂŒhrt. Wie war die Nachfrage der Aktionsgerichte?

Im Rahmen unserer Aktionswoche „Hin & Veg“ wurden die vegetarischen und veganen Aktionsgerichte insgesamt 68.669 Mal bestellt. Damit liegt der Anteil bei mehr als 20 % aller Bestellungen. Wir freuen uns sehr darĂŒber, dass die Aktion so viel Anklang gefunden hat und ĂŒberdurchschnittlich gut angenommen wurde. Zu den Favoriten gehörten Gerichte wie Germknödel mit einer Bestellquote von 40 % und vegane Burger mit 34 %.

 Wie kam es zu der Aktionswoche und der Zusammenarbeit mit ProVeg?

Auf die Organisation bin ich durch eine Informationsveranstaltung von ProVeg im Dezember 2016 aufmerksam geworden. Seitdem stehen wir in regelmĂ€ĂŸigem Kontakt. Da ein vegetarisches und veganes ErnĂ€hrungsangebot in der Kinder- und Schulspeisung eine immer wichtigere Rolle spielt und Sodexo pro Jahr 3–4 Aktionen zu den unterschiedlichsten Themen durchfĂŒhrt, waren wir sehr aufgeschlossen fĂŒr eine Kooperation mit ProVeg. Die Aktion „Hin & Veg“ wurde Mitte des letzten Jahres durch uns geplant und mit der UnterstĂŒtzung von ProVeg bei der Erstellung der Rezepturen, beim Probekochen und bei der Begleitung durch Aktionstage in ausgewĂ€hlten Schulen umgesetzt.

Welche RĂŒckmeldungen hat Sodexo nach der Aktionswoche erhalten?

Die RĂŒckmeldungen, die uns erreicht haben, waren durchweg positiv. Sowohl die SchĂŒlerinnen und SchĂŒler als auch die Eltern und LehrkrĂ€fte waren begeistert von der Aktion. So erreichte uns zum Beispiel folgendes Feedback aus Radebeul: „Die vegan-vegetarische Woche ,Hin & Veg‘ am Luisenstift Gymnasium fand meine Tochter sehr lecker! Bitte mehr davon, auch im normalen Schulalltag, und weniger Fleisch.“ Wie wichtig ein vegetarisches und veganes Angebot gerade auch fĂŒr die Eltern ist, zeigt diese RĂŒckmeldung aus Schmölln: „Ich bin sehr erfreut, dass es endlich auch vegane Gerichte auf den Speiseplan geschafft haben. Ich hoffe, dass dies keine einmalige Aktion war, sondern wĂŒrde mir ein dauerhaftes veganes Angebot wĂŒnschen.“ Aufgrund des großen Erfolgs haben wir die Aktionsgerichte, die bei unseren SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern besonders gut angekommen sind, in den regulĂ€ren Speiseplan ĂŒbernommen.

Wie plant Sodexo, den Fleischanteil seiner MenĂŒs weiter zu reduzieren?

Bei der Gestaltung unserer SpeiseplĂ€ne richten wir uns unter anderem strikt nach den QualitĂ€tsstandards der Deutschen Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung (DGE) fĂŒr die Schulverpflegung. Demnach gibt es pro Woche maximal 2 Fleisch- und 1 Fischgericht pro MenĂŒlinie. Bereits gelebte Praxis ist es außerdem, dass von unseren tĂ€glich zur Auswahl stehenden 3 MenĂŒlinien immer ein MenĂŒ vegetarisch oder sogar vegan ist. Ein nachhaltiger Umgang mit Ressourcen ist uns bei Sodexo extrem wichtig. Daher sind wir unter anderem GrĂŒndungsmitglied der Initiative „United Against Waste“, um gemeinsam mit unseren Marktbegleitern auf diesem Gebiet Standards zu setzen und uns gegen Lebensmittelverschwendung zu engagieren.

Wann wird es die nÀchste Veggie-Woche geben?

Die durchweg positive Resonanz, die wir mit der Aktion „Hin & Veg“ erzielt haben, bestĂ€rkt uns darin, dass wir mit diesem Angebot goldrichtig liegen. Daher wird eine Veggie-Woche sicher auch in Zukunft ein Bestandteil unserer Aktionen sein, die wir jĂ€hrlich an rund 650 Schulen und 450 KindertagesstĂ€tten anbieten. Wir sind davon ĂŒberzeugt, mit dieser Aktionswoche eine wichtige und schöne Tradition begrĂŒndet zu haben und freuen uns auf die weitere erfolgreiche Zusammenarbeit mit ProVeg.

Vielen Dank, Herr Höfer, fĂŒr das Interview.