ProVeg lud mit seiner Veranstaltung „Neue Ansätze für die Schulverpflegung“ im Dezember 2018 verschiedene Beteiligte und Interessierte aus dem Bereich der Gemeinschaftsverpflegung ein, um über Herausforderungen und Potenziale einer pflanzlichen Küche in deutschen Schulen zu diskutieren.

Schulverpflegung in Deutschland – ein komplexes Thema, an dem viele Beteiligte mitwirken. Von Eltern über Politik bis hin zu Cateringunternehmen: Alle versuchen, etwas dazu beizutragen, das tägliche Mittagessen der Schülerinnen und Schüler gesund und ansprechend zu gestalten. Um den Austausch zwischen den Beteiligten zu ermöglichen und neue Impulse für den Ausbau der pflanzlichen Küche zu geben, lud ProVeg im Rahmen des neuen Schulprogramms „Leckeres Essen für alle“, zu dem auch die Aktion Pflanzen-Power gehört, zu einer Informationsveranstaltung.

Theorie und Praxis

Am Morgen zeigte Schulungskoch Stephan Giannangeli den Teilnehmerinnen und Teilnehmern in einem praktischen Kochworkshop die Möglichkeiten einer klimafreundlichen Küche auf. Am Nachmittag lud ProVeg in die Räumlichkeiten des kürzlich eröffneten ProVeg-Incubators, um mit Vorträgen und Diskussionsrunden auf die vielfältigen Möglichkeiten pflanzlicher Schulverpflegung einzugehen. Das Publikum war bunt gemischt: Vertreterinnen und Vertreter von kleinen und großen Cateringunternehmen, der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) und andere brachten verschiedene Perspektiven in die Thematik ein und ermöglichten damit einen regen Austausch.

Immer noch „Hin & Veg“ – Sodexo will noch mehr Pflanzliches

Nach einer kurzen Einführung von Katleen Haefele, Leiterin von ProVeg Food Services, zu Potenzialen und Vorteilen einer pflanzlichen Küche in der Gemeinschaftsverpflegung, übernahm Heiko Höfer von Sodexo das Wort. Sodexo, eines der größten Cateringunternehmen weltweit, hatte im Mai 2018 mit seiner Aktionswoche „Hin & Veg“ ein pflanzliches Menü-Angebot an Schulen in ganz Deutschland getestet. Diese Kooperation war durch unsere vorherige Informationsveranstaltung ins Rollen gekommen. Laut Höfer waren die Gerichte der Aktionswoche auf großes Interesse gestoßen und die Rückmeldungen der Schülerinnen und Schüler äußerst positiv ausgefallen. „Dieser Erfolg hat meine Neugier geweckt, weshalb ich zuletzt meinen eigenen Fleischkonsum stark reduziert habe. Und ich bin begeistert – die Umstellung wirkt sich unheimlich positiv auf meine Gesundheit aus und gibt mir ein ganz neues Körpergefühl”, so Höfer. Des Weiteren betonte er in seinem Vortrag auch den Tierwohl-Aspekt.
Sodexo hat erkannt, dass viele Gründe dafür sprechen, den Fokus verstärkt auf die pflanzliche Küche zu legen. Neue Veggie-Optionen und vor allem eine noch engere Zusammenarbeit mit ProVeg sind deshalb geplant.

Vegetarische Qualitätsstandards der DGE

Auch die DGE war auf der Veranstaltung vertreten: Dr. Ernestine Tecklenburg ist Leiterin des Referats Gemeinschaftsverpflegung und Qualitätssicherung und stellte die von ihr mitentwickelten Kriterien für eine ovo-lacto-vegetarische Menülinie vor. Frau Tecklenburg gab Tipps, wie sich die Kriterien umsetzen lassen und betonte, dass es in der Schulverpflegung möglich ist, alle zu erreichen und durch das gemeinsame Mittagessen ein Gemeinschaftsgefühl zu schaffen. Außerdem sprach sie sich dafür aus, Veggie-Gerichte ganz oben auf dem Speiseplan zu platzieren, damit sie nicht als zweitklassige Alternative wahrgenommen werden.

Voneinander lernen

Nach den informativen Vorträgen wurden alle Teilnehmenden in einem interaktiven Workshop ermutigt, ihre Erfahrungen und Meinungen auszutauschen. In kleinen Gruppen debattierten sie über die Potenziale einer verstärkt pflanzlichen Schulverpflegung und wie diese mit neuen Ansätzen und geschickten Kommunikationsstrategien umgesetzt werden kann. So waren beispielsweise viele Gäste inspiriert von Stefan Gerhardts Konzept: In seinen Frischküchen kochen er und sein Team nicht nur gesund und vollwertig, sie vermitteln den Kindern in Koch-AGs einen Bezug zu ihrem Essen und klären an Informationstafeln über die ökologischen und ethischen Vorteile pflanzlicher Ernährung auf.

Auch wenn der Weg zu einem flächendeckenden Angebot vollwertiger vegetarisch-veganer Gerichte in deutschen Schulen noch ein langer ist – die meisten Teilnehmenden verließen die Informationsveranstaltung motiviert und mit neuen Impulsen. 2018 war die Aktion Pflanzen-Power an knapp 30 Schulen; auch für 2019 sind zahlreiche Aktionstage mit Kindern sowie Kochworkshops für Cateringunternehmen geplant. Volle Pflanzenkraft voraus für eine gesündere Ernährung an deutschen Schulen!