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Wie effektiv sind die Kochworkshops der „Aktion Pflanzen-Power“?

Eine vegane Identität herbeikochen: Der Einfluss veganer Kochworkshops auf die soziale Identität und die Intentionen von Schulkindern, pflanzlich zu essen
(Originaltitel der Masterarbeit: Cooking a vegan identity: The influence of a vegan cooking workshop on children’s social identity and intentions to eat vegan)

Seit 2016 gibt es die Aktion Pflanzen-Power, die von der Krankenkasse BKK ProVita und ProVeg ins Leben gerufen wurde. An Schulen in ganz Deutschland organisieren wir Informationsveranstaltungen, Kochworkshops und Verkostungsstände, um den Schülerinnen und Schülern gesunde und nachhaltige Ernährung nahezubringen. Dabei lernen sie vielfältige Gründe kennen, die für eine pflanzenbasierte Ernährung sprechen. In einem Kochworkshop können sie selbst aktiv werden und Rezepte ausprobieren. Sie sehen, wie einfach es ist, mit den täglichen Mahlzeiten auf ihren Tellern etwas Gutes für die Welt, für andere und für sich selbst zu tun.

Doch wie viel nehmen die Schülerinnen und Schüler wirklich an solch einem Aktionstag mit? Werden sie durch die Aktion Pflanzen-Power dazu inspiriert, pflanzliche Alternativen mit der Familie zu Hause auszuprobieren?

Der Frage nach der Effektivität der Kochworkshops durfte ich mit meiner Masterarbeit nachgehen. Dafür habe ich 2019 an 9 Schulen Aktionstage durchgeführt: als Aktionsköchin und als Wissenschaftlerin. Zum einen wollte ich herausfinden, ob die Kinder und Jugendlichen sich auch nach dem Aktionstag im Rahmen der Aktion Pflanzen-Power vornehmen, pflanzliche Alternativen zu kochen. Zum anderen war ich an den sozialen Aspekten des Kochworkshops interessiert: Was passiert, wenn die Schülerinnen und Schüler zusammen kochen? Ändern sich ihre Ansichten zu pflanzenbasierter Ernährung und Umweltschutz, wenn sie sehen, dass ihre Klassenkameradinnen und -kameraden sich auch für pflanzliche Alternativen interessieren? Hat die Art und Weise, wie die Rollen in der Gruppe verteilt sind, einen Effekt auf den Kochworkshop?

Mein Fokus lag dabei auf der Frage, ob Schülerinnen und Schüler durch individuelle Anweisungen ihre Rolle beim Kochen anders wahrnehmen, als wenn sie „nur“ ein Teil einer Gruppe sind. Dafür habe ich die Kinder in 2 Gruppen eingeteilt – die einen erhielten gesammelte Anweisungen als Gruppe, die anderen individuelle.

Die Ergebnisse der Befragungen
Die Studie zeigte sehr erfreuliche Ergebnisse auf: Durch den Kochworkshop nahmen sich alle Schülerinnen und Schüler vor, in Zukunft¹ mehr pflanzliche Alternativen mit ihren Familien zu kochen und mit zur Schule zu bringen (¹Die Schülerinnen und Schüler gaben an, wie oft sie in den kommenden 7 Tagen vegetarisch oder vegan kochen und essen wollen). Außerdem gaben die Teilnehmenden an, dass sie die verwendeten Alternativen nach dem Kochworkshop deutlich besser fanden als zuvor. Ein Grund könnte sein, dass die Jugendlichen vorhandene Vorurteile ablegen und selbst erfahren, wie gut pflanzliche Lebensmittel schmecken können. Außerdem hat die Studie gezeigt, dass die Teilnehmenden, die den Gruppen mit der individuellen Rollenverteilung zugeteilt waren, viel mehr Spaß am Workshop hatten. Die Schülerinnen und Schüler erkannten, wie wichtig ihr Beitrag zu einer leckeren Mahlzeit ist und fühlten sich mehr „gesehen“.

Überraschenderweise spürten die Teilnehmenden in beiden Gruppen nicht nur eine stärkere Verbundenheit mit dem eigenen Kochteam, sondern mit der ganzen Schule. Dieses Ergebnis hatten wir nicht erwartet. Es zeigt allerdings, wie wichtig es ist, den Aktionstag als Projekt zu sehen, an dem die ganze Schule teilnimmt und sich für pflanzliche Ernährung stark macht. Die Aktion Pflanzen-Power kann daher einen Einstieg zur nachhaltigeren Ernährung an Schulen bedeuten: Die Einführung pflanzlicher Gerichte in der Schulkantine, Veggie-Challenges zwischen verschiedenen Klassen, vegane Kuchenbasare und und und – die Möglichkeiten sind endlos!

Mein Fazit
Die Studie zeigt, dass ein veganer Kochworkshop eine effektive Intervention ist, um Schülerinnen und Schülern pflanzenbasierte Alternativen auf kreative und interaktive Weise nahezubringen. Sie nehmen sich das Thema Nachhaltigkeit nach dem Aktionstag mehr zu Herzen, sie nehmen sich vor, öfter pflanzliche Alternativen zu essen und fühlen sich mehr mit ihren Mitschülerinnen und Mitschülern verbunden. Die Ergebnisse zeigen, dass Schülerinnen und Schüler viel Spaß am Kochworkshop haben – vor allem dann, wenn sie merken, dass ihr individueller Beitrag zählt, um ein leckeres und nachhaltiges Gericht auf die Teller zu zaubern.

An dieser Stelle möchte ich mich im Namen von ProVeg, der BKK ProVita und der Rijksuniversiteit Groningen ganz herzlich bei allen teilnehmenden Schulen, bei allen Schülerinnen und Schülern, deren Eltern und vor allem bei allen Lehrkräften bedanken, die diese Studie ermöglicht haben. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht. Ohne die Hilfe der Lehrkräfte bei der Aufsicht, beim Abwasch und allem, was sonst so hinter den Kulissen passiert, wäre diese Studie nicht möglich gewesen. Vielen Dank!
Lea Grosse

ProVeg und die BKK ProVita danken Lea Grosse für ihre wissenschaftliche Ausarbeitung, diese Zusammenfassung und die angenehme Zusammenarbeit! Sie wird weiterhin als eine unserer Aktionsköchinnen für die Aktion Pflanzen-Power an Schulen aktiv sein. Melden Sie gern Ihre Schule für einen Aktionstag an.

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