Lucien Coy eröffnet gemeinsam mit anderen Eltern der Initiative Veggie-Kids e. V. im Frühjahr 2018 den Kinderladen Mokita. Mokita ist die erste vegane Kita in Frankfurt am Main.

Was hat Sie dazu bewogen, eine vegane Kita zu gründen?

Einige von uns haben sich 2013 in einem veganen Café in Frankfurt kennengelernt. Hauptsächlich haben wir uns dort über die Probleme bei der Suche nach einem geeigneten Kindergarten ausgetauscht. Wir wollten nicht, dass unsere Kinder, die alle im gleichen Alter sind, im Kindergarten auf vegane Ernährung verzichten müssen. Es war schnell klar, dass es in Frankfurt einen solchen Ort noch nicht gibt und wir ihn selbst schaffen müssen.

Wie sahen die bisherigen Schritte genau aus?

Wir haben damals mit Gleichgesinnten den Verein Veggie-Kids e. V. gegründet und uns mit einem umfassenden Kita-Konzept bei der Stadt Frankfurt beworben, das sehr positiv aufgenommen wurde. Wir hatten eigentlich damit gerechnet, viel mehr Überzeugungsarbeit leisten zu müssen, aber der Bedarf nach einer veganen Kita war unseren Ansprechpartnern sofort klar. Im Rahmen des sogenannten „Sofortprogramms“ übernimmt die Stadt alle Kosten und unterstützt uns als Träger sehr umfassend.

Wie sieht das Konzept Ihrer Kita in Bezug auf die Ernährung aus?

Es gibt ein umfangreiches Ernährungskonzept, das auf drei Bausteinen beruht: Frisch von uns zubereitetes, pflanzliches Essen, das alle wichtigen Nährstoffe enthält, sowie Saisonalität und Regionalität. Um die Eltern und die Kinder in das Thema einzubeziehen, werden wir auf dem Essensplan so genau wie möglich auf die Nährstoffzufuhr der Kinder eingehen. Wir haben das Glück, dass sich für unseren Verein ein ausgebildeter Koch engagiert, der auch einen veganen Catering-Service betreibt. An Praxiserfahrung mangelt es also nicht!

Was unterscheidet Mokita, abgesehen von der außer der Verpflegung, noch von anderen Kitas?

Tatsächlich haben wir viel darüber nachgedacht, wie wir Angebote und Themen, die in konventionellen Einrichtungen gegen unsere Überzeugungen laufen, adäquat und positiv ersetzen können. Zoo– oder Bauernhofbesuche wird es nicht geben, da wir den Kindern die Tierwelt in ihrem natürlichen Lebensraum näherbringen möchten. Es gibt zum Beispiel tolle Angebote rund um den „GrünGürtel“ Frankfurt, die Naturerlebnisse ohne Tierausbeutung möglich machen.

Wie sind die Reaktionen auf das Konzept? Wie begegnen Sie Menschen, die eventuell skeptisch gegenüber einer pflanzlichen Ernährung sind?

Bisher haben wir im direkten Gespräch nur Offenheit, positive Rückmeldungen und Unterstützung erfahren, selbst von Behörden und Maklerbüros. Negativ wird es immer dann, wenn man uns nicht ins Gesicht schauen muss: bei Facebook und in den Kommentarspalten der Presse. Wir hatten ein Erlebnis mit einem Artikel in einer Lokalzeitung, in dem es in erster Linie um die Immobilie ging. Aber weil das Thema so polarisiert, wurde es mit einer sehr einseitigen Überschrift auf Facebook gepostet, die viele negative Reaktionen hervorrief. Wir haben schnell gemerkt, dass es da nur hilft, sachlich und ruhig zu bleiben.

Wie wird sich die Essensversorgung in Kitas Ihrer Einschätzung nach in Zukunft entwickeln?

Wir glauben, dass es in wenigen Jahren völlig normal sein wird, dass in Kitas auch eine vegane Option anzubietenangeboten wird. Trotzdem sehen wir die Notwendigkeit für eine vegane Einrichtung. Es ist für Kinder einfach toll, unter Gleichgesinnten zu sein.

Welche Tipps können Sie anderen mit auf den Weg geben, die eine vegane oder vegetarische Kita gründen möchten?

Man muss keine Angst vor Behörden und anderen offiziellen Stellen haben – wir wurden immer wieder positiv überrascht. Das Thema Immobiliensuche ist die größte Schwierigkeit, zumindest in Städten wie Frankfurt. Dafür hätten wir viel mehr Zeit einplanen müssen. Das Thema vegane Kinderernährung ist nach wie vor ein echter Aufreger für viele Leute. Daher: ein dickes Fell für Kritik entwickeln und frühzeitig für eine sichere Faktenbasis sorgen.

Vielen Dank, Herr Coy, für das Interview!