Jérôme und Melanie Eckmeier ernähren sich vegan. Sie leben mit ihren 5 Kindern in Leer, Ostfriesland.

Wann haben Sie sich für eine pflanzliche Ernährung entschieden?

Bevor ich vegan wurde, war ich schon lange Zeit Vegetarier und vertrug durch eine Laktoseintoleranz keine Milchprodukte. Als ich mich mit der Produktion von Eiern beschäftigte, hatte ich keine Lust mehr darauf. Seit 2009 kochen wir zu Hause für die ganze Familie rein pflanzlich.

Was kochen Sie für Ihre Kinder?

Wir kochen vor allem gern alle Gemüsesorten nach der Saison. Unsere Faustregel lautet: „Viel Gemüse zum Hauptgang oder einen großen Salat.“ Wenn es also beispielsweise Veggie-Bolognese gibt, dann wird dazu ein großer bunter Salat serviert. Das ist eine wichtige Regel, um das Mittagessen für Kinder gesund zu gestalten.

Schmeckt den Kindern alles, was der Papa kocht?

Nein, leider nicht! (lacht) Im Herbst koche ich beispielsweise oft Grünkohl, der schmeckt leider nicht allen. Aber für die anderen gibt es dann eben etwas Anderes, das ist kein Problem. Ich habe immer eine schnelle Alternative parat. Unsere Kinder mögen natürlich genau das Gleiche, was Mischköstlerkinder gern essen – zum Beispiel veganes Fast Food. Wobei ich schon sagen muss, dass unsere Kinder auch super gern Frisches essen. Wir verzehren kiloweise Obst und Gemüse in der Woche!

Hier finden Sie Vegane Rezepte von Jérôme Eckmeier.

Wie gestalten Sie die Verpflegung unterwegs?

Auch wenn wir unterwegs sind, essen wir vegan. Wir machen viel selbst und packen alles in eine Lunchbox. Da machen wir auch wirklich genau die Sachen, die in meinem Buch stehen, da sind unsere Klassiker drin.*

Wie sehen Sie die Entwicklung von veganem Essen in deutschen Städten?

In den Städten wird das Angebot von Jahr zu Jahr immer besser. Melanie hat vor vier Jahren eine Mutter-Kind-Kur gemacht und wir haben ihr dafür zwei große Reisetaschen mit pflanzlicher Milch, Aufstrichen und Konserven mitgegeben, aber das brauchte sie gar nicht! Es gab ein tolles veganes Angebot in den Restaurants und auch die Kurklinik hat sich sehr gut darauf eingestellt. Ich bin ja selbst sehr oft im Hotel und habe da eigentlich kaum Probleme.

Wie reagieren andere auf die pflanzliche Ernährung Ihrer Kinder?

Das wird insgesamt sehr positiv aufgenommen. Meine Kinder erklären anderen Kindern, warum sie kein Fleisch und keine Milchprodukte essen – je kleiner sie sind, desto kindgerechter natürlich – und es gibt durchweg positive Reaktionen. Im Gegensatz dazu erlebe ich ehrlich gesagt öfter kleine Anfeindungen wegen meines Übergewichts, wenn jemand sagt: „So ein fetter Veganer, das geht ja gar nicht!“ (lacht) Unsere Kinder sind sehr selbstbewusst und könnten daher auch mit solchen Sprüchen umgehen.

Was essen die Kinder in der Kita und Schule?

In der Kita habe ich auf einer Schulung mit dem Zulieferer gesprochen und dort gibt es jetzt durchgehend Veganes für sie, das war überhaupt kein Problem. Die anderen Kinder nehmen etwas zu essen mit, aber da sie nicht in einer Ganztagsschule sind, essen sie mittags bei uns. Wir leben in einer kleinen Stadt, kennen die Leute hier und vielleicht sind es auch besonders die Ostfriesen, die mit allem ein bisschen lockerer umgehen.

Was können Sie anderen Eltern über vegane Kinderernährung mit auf den Weg geben?

Wenn man sich vollwertig vegan ernährt, dann sehe ich das auch bei den Kids ganz entspannt. Meine Erfahrung ist, dass es sich sehr unterscheidet, was Veggie-Kinder im Gegensatz zu anderen Kindern in die Schule mitnehmen. Die meisten veganen Eltern setzen sich mit gesunder Ernährung auseinander und geben entsprechend gesunde, vollwertige und ausgewogene Snacks mit in die Schule. Man sollte auch mit dem Kinderarzt sprechen, zu dem man einen guten Bezug hat, und selbst bei der Krankenkasse gibt es oft gute Angebote für Ernährungsberatungen. Dann ist das alles kein Problem.

Vielen Dank, Herr Eckmeier, für das Gespräch!

 

*Buch: „Vegane Lunchbox: Einfach, schnell, vegan – immer und überall“ von Jérôme Eckmeier, erschienen 2016 im Dorling Kindersley Verlag