Carmen Hercegfi ist alleinerziehende Mutter, 39 Jahre alt und lebt mit ihren beiden Söhnen in Hamburg. Familie Hercegfi ernährt sich seit einigen Jahren vegan.

 

Wann haben Sie sich dafür entschieden, sich und Ihre Kinder pflanzlich zu ernähren? Was war der Auslöser für diese Entscheidung?

Ich wurde im Jahr 2008 quasi über Nacht Veganerin, da ich starke gesundheitliche Probleme hatte. Nach einer Woche vollwertiger veganer Ernährungsweise waren 95 Prozent der Beschwerden wie weggeblasen, was mich nachhaltig überzeugte. Die Umstellung mit meinem damals dreieinhalbjährigen Sohn dauerte etwas länger, aber er isst seit 2013 zu Hause rein vegan. Ein Jahr später wurde ich erneut schwanger. Mir war sofort klar, dass ich dieses Kind von Anfang an vegan ernähren wollte.

Welche Erfahrungen haben Sie in Bezug auf die Ernährung während Ihrer Schwangerschaft gemacht?  

Meine vegane Schwangerschaft verlief total unkompliziert und in keiner Weise schlechter als meine omnivore Schwangerschaft 10 Jahre zuvor – und das, obwohl ich aufgrund meines Alters und meiner veganen Ernährung in zwei sogenannten „Risikoschubladen“ auf einmal steckte. Mein Sohn kam kerngesund und absolut altersgemäß entwickelt auf die Welt – nach wie vor erfreut er sich bester Gesundheit.

Was essen Ihre Söhne am liebsten?

Meine beiden Söhne lieben wie nahezu alle Kinder Pizza, Pasta und süße Desserts. Da ich am liebsten selbst koche, wird die Pizza selbst gebacken – mit Vollkornmehl, viel Gemüse als Belag und natürlich einem tollen, selbst gemachten Cashewkäse. Die Vollkornnudeln werden mit einer Soße aus püriertem Gemüse serviert. Und die Mousse au Chocolat ist auf Basis von Avocado, Banane, Datteln und Kakao. Auch bei anderen Gerichten steht im Fokus: Die Kinder sollen es lieben. Gleichzeitig verwende ich vielfältige pflanzliche Produkte und serviere auch Unbeliebtes. Ohne Zwang greifen sie dann irgendwann ganz von allein zu.

Wie reagiert Ihr Umfeld darauf, dass sich Ihre Familie pflanzlich ernährt?

Meine Mutter und meine Schwester habe ich auch zur veganen Ernährungsweise inspiriert. Der Rest der Familie sieht, dass es mir damit besser geht und dass auch die Kinder gut gedeihen. Und die Ärzte geben schnell zu, dass ich in puncto Ernährung besser ausgebildet bin als sie selbst – ich bin nämlich vegane Ernährungsberaterin.

Die Akzeptanz wird immer größer. Da ich aber völlig undogmatisch und offen für Fragen bin, habe ich ohnehin wenig Probleme mit den Reaktionen anderer.

Welche Wünsche haben Sie in Bezug auf die Verpflegung in Kitas und Schulen?

Mein Jüngster bekommt in der Kita vegetarisches Essen, das oftmals sogar vegan ist. Mein älterer Sohn isst in der Schule weiterhin mischköstlich. Er darf frei entscheiden, wie er seine Ernährung außerhalb unserer vier Wände gestaltet.

Leider gibt es an unserer Schule regelmäßig Fast Food wie Döner, Chicken-Nuggets, Spaghetti Bolognese, Pommes, Currywurst … Mein Sohn nimmt dann zum Beispiel den vegetarischen Falafel-Döner, was aber auch irgendwann langweilig wird. Hier muss insgesamt viel mehr Aufklärung seitens der Politik stattfinden, damit die Kinder ein vollwertiges Essen erhalten, das ihnen dabei hilft, sich zu konzentrieren und gut zu lernen, den Körper zu nähren und gesund wachsen zu lassen. Es muss Aufmerksamkeit und Geld in das Essen für unsere Kinder fließen: vonseiten der Politik, vonseiten der Eltern und vonseiten der Schulen. Die Kinder sind unsere Zukunft – das sollten die Verantwortlichen endlich verstehen.

Vielen Dank, Carmen Hercegfi, für das Gespräch!